Roggen 2018

Seelembretter

ERNTE DES ROGGENFELDES 2018 -
Erntetermin 2018
Auf Grund der aktuellen Wetterlage geplant, Dienstag 10. August, ab ca. 11.00Uhr ?
ausgeführt von der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der HU

AUSSAAT DES ROGGENFELDES Anfang Oktober Seit zwölf Jahren wird auf dem Gelände der Kapelle der Versöhnung, im Bereich der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße Roggen angebaut. In diesem Jahr stehen wieder etwa 0,2 ha. Zehntausende Besucher haben auch im vergangenen Jahr das wogende Feld im Todesstreifen der Berliner Mauer gesehen und fotografiert.
Seit dem 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer (2011) ist das Roggenfeldfeld um die Kapelle der Versöhnung Teil dieser Erweiterung und der Gestaltung der Gedenkstätte Berliner Mauer, eine Metapher für die Kultivierung des Geländes des Todesstreifens und seiner Aneignung durch die Versöhnungsgemeinde seit 1989.
"2014 jährte sich zum 25. Mal der Fall der Mauer in Berlin und der Fall des Eisernen Vorhangs in Europa. Mit dem Projekt „FriedensBrot“ soll im Jahr 2014 die Erfolgsgeschichte von Landwirtschaft in Frieden und Frieden durch Landwirtschaft eingehend diskutiert sowie symbolträchtig und feierlich begangen werden. Dafür wurde 2012 der zivilgesellschaftliche gemeinnützige Verein FriedensBrot e. V. gegründet.
Roggensaatgut der Ernte 2012 wird 2013 an symbolträchtigen und historisch bedeutenden Orten der Wendezeit in den Ländern angebaut, die nach 1989 der Europäischen Union beigetreten sind. 2014, als sich der Fall von Mauer und Stacheldraht zum 25. Mal jährte, gelangen die Roggenernten aus den teilnehmenden Ländern zurück nach Berlin. Dieser „Jubiläumsroggen“ wird mit dem in Berlin geernteten Roggen gemischt, gemahlen und zu einem gemeinsamen europäischen „FriedensBrot“ verbacken. Als Höhepunkt veranstaltet der Verein FriedensBrot e. V. mit den beteiligten Ländern und Organisationen Feierlichkeiten sowie eine Konferenz zu „Frieden und Brot in Europa“ für die interessierte Öffentlichkeit, Politik und Medien."
www.friedensbrot.eu/
und www.kirche-berlin-nordost.de


Viele Besucher lassen sich von diesem symbolträchtigen Zeichen ein Roggenfeld im Zentrum Berlins anregen, das Getreidefeld ein Zeichen für die Überwindung der Vergangenheit, "Rückkehr des Lebens in die Zone des Todes". Manchem Besucher erscheint die Situation fast zu friedlich und harmonisch. Aber nach der Ernte, Ende Juli und jeweils kurz vor dem 13. August, dem Jahrestag des Baus der Berliner Mauer, zeigt das abgeerntete Feld die "leere Wüste" der Jahre, als hier noch der Todesstreifen und die Mauer brachial, über Häuser, Friedhöfe, Kirchen und das Leben der Menschen gezogen war. Das Getreide reift, es wird geerntet und danach wird das Feld wieder neu bestellt.
Das ist der ewige und für uns Menschen lebensnotwendige Kreislauf von Säen, Werden und Vergehen. Die Ernte ist ein Höhepunkt.

das wogende Kornfeld das wogende Kornfeld das wogende Kornfeld

Lebenswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
unterstützt das Projekt der Versöhnungsgemeinde

Landbewirtschaftung gehört zu den edelsten und notwendigsten Aufgaben der Menschheit. Die nachhaltige Nutzung und der Schutz dieser einzigartigen Ressource sollte oberstes Gebot in allen Ländern dieser Erde sein. Trotz Globalisierung produziert Deutschland den größten Teil seiner Nahrungsmittel selbst, die seit 1800 exponentiell angestiegene Bevölkerung leidet nicht an Hunger. Ausreichend Nahrungsmittel stehen zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung. Möglich ist das geworden durch Wissenszuwachs und industrielle Entwicklung. Auch staatliche Subventionen für die Landwirtschaft sichern heute den für die Bevölkerung so günstigen Zustand. Und dabei ist die Erzeugung von Nahrungsmitteln nur ein Aspekt der Landbewirtschaftung.
Vor 200 Jahren begann in Möglin bei Bad Freienwalde mit der Gründung einer Landwirtschaftlichen Akademischen Lehranstalt durch Albrecht Daniel Thaer eine beispielslose Entwicklung der Agrarwirtschaft. Die vor 125 Jahren in Berlin gegründete Landwirtschaftliche Hochschule (seit 1934 Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin) ist dem Thaer'schen Erbe verpflichtet und leistet trotz extremer Mittelkürzungen heute und zukünftig wichtige Beiträge in Lehre und Forschung.
Die Kreisläufe der Natur zu erforschen, sie für uns immer besser nutzbar zu machen ohne den Ressourcen zu schaden, ist ein Grundanliegen der landwirtschaftlichen Hochschulbildung. Dazu bedarf es mehmaterieller Mittel als in vielen geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Versuchsstationen und Versuchsbetriebe sind vonnöten.
Den Menschen in großen Ballungsräumen, die häufig keine Beziehung mehr zur landwirtschaftlichen Primärproduktion haben, muss die existenzielle Bedeutung immer wieder nahegebracht werden. Das kleine Feld mitten in Berlin an der Bernauer Straße kann niemanden satt machen, doch es zeigt Werden und Vergehen während des Jahres, beschreibt die Mühen des Menschen, um im Einklang mit der Natur sein wichtigstes lebensnotwendiges Bedürfnis befriedigen zu können. "Brot fällt nicht vom Himmel" ist der Titel eines Kinderbuches von Helga Meyer aus den 80er Jahren und die von Herrn Spengler symbolisch gearbeitete Riesenschrippe hat ihren Ursprung auch nicht in den Kühlräumen industrieller Bäckereien.
Deshalb unterstützt die Lebenswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin das Kunstprojekt "Ein Roggenfeld" damit diese Zusammenhänge den Bürgern dieser Stadt und dieses Landes immer gegenwärtig bleiben.

Zum Download der INFORMATION als pdf-Datei

Die Saat geht auf!
Roggenbau auf ehemaligem Todesstreifen

Der Roggen
Als Jesus seinen Jüngern das "Vaterunser" mit der Bitte . . ."unser täglich Brot gib uns heute. . ." auf den Weg gab, ist nicht nur das Brot aus Getreide und schon gar nicht nur das aus Roggen gemeint worden. Trotzdem steht das Brot hier für ausreichende Ernährung an Laib und Seele.
Tatsächlich ernährten sich die Menschen zu allen Zeiten und insbesondere in Kleinasien überwiegend von Körnerfrüchten. Reis, Weizen und Mais sind heute die in der Welt verbreitetsten Körnerfrüchte. Der Roggen ist ein Spezifikum Mitteleuropas. Erst mit der Völkerwanderung kam der Roggen, in seiner Ursprungsregion Kleinasien als grasartiges Unkraut in Weizenbeständen bekannt, nach Europa.
Die Slawen brachten ihn nach Mitteleuropa und bereits im 12. und 13. Jahrhundert war er Hauptbrotfrucht besonders der Landbevölkerung in den ostelbischen Gebieten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Pflanze durch Mutationen und gezielte Auslese bereits stark verändert. Auch heute wird diese Kulturpflanze mit großem Erfolg weiter gezüchtet. Derzeit werden in Deutschland mehr als eine halbe Million Hektar angebaut. Über 30 % davon stehen auf den sandigen Böden Brandenburgs.
Der Roggen ist heute in der Lage, auch unter diesen harten Bedingungen mehr als 6 t/ha und unter günstigen Umständen sogar wesentlich höhere Erträge zu bilden. Dafür müssen aber alle Möglichkeiten der Bestandesführung, der Düngung und des Pflanzenschutzes ausgeschöpft werden. Roggen bildet unter den entsprechenden Bedingungen ein tiefreichendes Wurzelsystem, mit dem er Wasser und Nährstoffe gut ausnutzen kann.
Insbesondere Roggen, der fast ausschließlich in der Winterform angebaut wird, hat unter den Getreidearten die größte Bestockungsfähigkeit. Das bedeutet, aus einem Saatkorn können sich viele Halme und Ähren entwickeln. Bei einer einzeln stehenden Pflanze können das durchaus 15-20 sein, im geschlossenen Bestand sind es wegen der Konkurrenz der Pflanzen untereinander wesentlich weniger, im Allgemeinen 3 bis 5. Winterroggen wird in Mitteldeutschland in der zweiten Septemberhälfte gesät und geht nach der Anlage von Bestockungstrieben in den Winter. Er ist in der Lage, auch Fröste unter -20°C zu überstehen und beginnt schon im zeitigen Frühjahr intensiv zu wachsen.
Ende Mai weht bei entsprechenden Witterungsbedingungen zum Leidwesen der Allergiker der Blütenstaub über die Felder und fängt sich auf den weiblichen Blütenorganen, aus denen sich dann die Frucht entwickelt. Verzögert sich der Befruchtungsvorgang wegen ungünstiger Witterungsbedingungen, können Sporen eines Pilzes den Fruchtknoten befallen und statt des Korns entwickelt sich ein sogenanntes Sclerotium, welches wir als "Mutterkorn" kennen. Die hochgiftigen dunkelviolett gefärbten Körper kann man sehr deutlich in den Roggenähren sehen. Da sie wesentlich größer als die Roggenkörner sind, lassen sie sich aus dem geernteten Getreide gut entfernen. Im Mittelalter sind diese Teile häufig in das Mehl gelangt und in "Mutterkornjahren" kam es zu vielen Vergiftungen.

Im Juli wird Roggen geerntet. Vor 50 Jahren erfolgte das noch in zwei Phasen. Zuerst wurde das Getreide geschnitten und in Garben gebunden auf dem Feld zum Trocknen aufgestellt. Erst danach, manchmal auch nach Zwischenlagerung in Scheunen bis in den Winter, wurde das Korn ausgedroschen. Heute wird ausschließlich mit einem Mähdrescher aus dem Stand heraus gedroschen. Die Pflanze lagert im Korn viel Stärke ein, um den jungen Keimling, der ebenfalls schon im Korn angelegt ist, in der Jugendentwicklung zu versorgen. Der Mensch nutzt diese Stärke, die um 60 % des Kornes ausmacht, für seine Zwecke. Nicht nur Brot wird daraus gebacken.
Auch für die Tierernährung wird Roggen eingesetzt. Zunehmend spielt die energetische Nutzung eine Rolle. In Brandenburg wird bereits ein Drittel der Roggenernte zur Bioalkoholproduktion verwendet und der wiederum gelangt zu großen Teilen in die unersättlichen Tanks unserer Kraftfahrzeuge. Das Verbrennen des Roggens zur Wärmegewinnung ist bei heutigen Energiepreisen ebenfalls eine Möglichkeit.
In Anbetracht des Welthungers stößt diese Verwendung jedoch auf ethisch begründete Widerstände.
Vielleicht müssen wir uns irgendwann entscheiden, ob wir essen oder lieber Auto fahren wollen.

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